Unsere Gesellschaft verändert sich. Einerseits werden die Menschen im Durchschnitt dank guter Ernährung und medizinischem Fortschritts immer älter. Andererseits ist die Geburtenrate anhaltend niedrig. Die Folge: Langfristig müssen immer weniger Berufstätige für die Rentenleistungen der älteren Mitbürger aufkommen. Steigende Rentenversicherungsbeiträge und sinkende Rentenzahlungen drohen. Einige Experten sehen gar den Generationenvertrag vor dem Aus, wenn sich nicht bald etwas ändert.

So funktionierte bisher die deutsche Rentenversicherung

Die deutsche gesetzliche Rentenversicherung basiert auf dem Generationenvertrag und wird über das sogenannte Umlageverfahren finanziert. Das bedeutet, dass die Rentenversicherungsbeiträge der Bürger nicht etwa angespart werden, bis diese Beitragszahler selbst in Rente gehen. Vielmehr wird mit dem Geld die Rente der jetzigen Leistungsempfänger bezahlt. Im Gegenzug erhalten die Beitragszahler die Zusage, dass die zukünftigen Berufstätigen später für ihre Rente aufkommen. Das Umlageverfahren wurde in der Bundesrepublik im Jahr 1957 eingeführt.

Damals herrschte jedoch in Deutschland noch eine ganz andere Bevölkerungsstruktur.  So betrug die Lebenserwartung damals geborener Kinder noch 65,85 Jahre (Jungen) bzw. 71,04 Jahre (Mädchen). Im Jahr 2013 ist die Lebenserwartung hingegen auf 78,01 bzw. 82,90 Jahren angestiegen. Die Menschen leben also nicht nur länger – sie erhalten folglich auch viel länger Renten aus der gesetzlichen Sozialversicherung. Gleichzeitig werden nicht mehr so viele Kinder geboren. Die Geburtenrate lag kurz vor dem sogenannten Pillenknick im Jahr 1965 bei 2,5 Geburten pro Frau. Danach sank sie rapide und liegt nun etwa bei 1,36 Kindern pro Frau.

Langlebigkeit und Geburtenknick: Was heißt das für die spätere Rente?

Langfristig wird es für die Berufstätigen aufgrund dieses demografischen Wandels kaum möglich sein, den Generationenvertrag noch zu erfüllen. Die gesetzliche Rente wird somit für die meisten Menschen als alleiniges Einkommen im Alter nicht mehr ausreichen. Die Politik versucht daher, die private Altersvorsorge etwa durch staatliche Förderungen bei Riester-Rente und Rürup-Rente weiter zu etablieren. Jedoch sehen viele junge Menschen noch keine Notwendigkeit zur privaten Vorsorge. Schließlich geht es ihren eigenen Eltern und Großeltern mit der Rente finanziell ganz gut. Das Bewusstsein, dass dies kein Dauerzustand ist, hat sich bisher noch nicht durchgesetzt.

Was es in Deutschland bedarf, ist also ein Bewusstseins- und ein Systemwandel. Einerseits muss es mehr Aufklärung um die Zukunft der deutschen Altersvorsorge geben. Andererseits müssen Vorsorgeeinrichtungen geschaffen werden, die eine echte Alternative bzw. Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung darstellen. Wie genau das angepackt werden soll, darüber wird aber immer wieder gestritten. So rudert die Politik ständig zugunsten von Wählerstimmen zurück, indem beispielsweise ein früherer Renteneintritt mit der Rente mit 63 ermöglicht wird. Zeitgleich werden zwar immer wieder Maßnahmen wie eine obligatorische betriebliche Altersvorsorge gefordert, jedoch mangelt es an konkreten Ideen, wie ein solche gestaltet werden könnte.

Geht es auch anders? Politik, Unternehmen und Versicherer sind gefragt

In anderen Ländern ist eine Verlagerung auf private Vorsorgebemühungen längst Realität, da hier die Zeichen der Zeit erkannt wurden. In Deutschland muss ebenfalls ein Wechsel stattfinden. Gleichzeitig bedarf es Strategien, damit beispielsweise Menschen mit geringem Einkommen im Alter nicht mit einer Rentenleistung unter dem Existenzminimum zurückbleiben. Hier ist also zuvorderst der Gesetzgeber gefragt. Aber auch Unternehmen und Versicherungsanbieter stehen in der Verantwortung, Mitarbeiter bzw. Kunden bei der Vorsorge für das Alter bestmöglich zu unterstützen. Denn eine private bzw. betriebliche Altersvorsorge ist natürlich nur dann für die Menschen möglich, wenn es auch entsprechende Angebote und Produkte gibt.

Zusätzlich müssen sich beispielsweise Versicherungsexperten und Berater noch mehr darauf konzentrieren, komplexe Versicherungsprodukte auch verbrauchernah zu erklären. Denn in eine Altersvorsorge investiert man in der Regel über Jahrzehnte – umso besser diese dann verstanden wird, umso höher ist die Motivation bis zum Renteneintritt regelmäßig einen Teil des Einkommens für die spätere finanzielle Sicherheit aufzuwenden.